Langsame Weine mit druckvoller Dynamik - Pfalz

Das Wachenheimer Weingut Dr. Bürklin-Wolf verbindet große Weinbautradition mit konsequenter biodynamischer Ausrichtung. Das Ergebnis sind langlebige Spitzenweine mit packendem Spannungsbogen.

Im Auge des Betrachters entsteht unwillkürlich eine Filmszene. Totale über das klassizistische Herrenhaus, Zoom auf das Eingangsportal – im Bild Bettina Bürklin-von Guradze. Mit diesem Lächeln, dieser Ausstrahlung und dieser natürlichen Autorität kann sie gar nichts anderes sein als die Gutsherrin. Und dass sie es ist, bedeutet einen Glücksfall für den deutschen Weinbau. Das Pfälzer Weingut Dr. Bürklin-Wolf zählt zu den wenigen Exzellenzadressen, die den internationalen Ruf deutscher Weine prägen.

Seit über zwanzig Jahren leitet Bettina Bürklin-von Guradze das Gut und ist gleichzeitig Vollzeitmutter von vier Kindern zwischen 9 und 16 Jahren. "Zeitmanagement ist Gott sei Dank meine Stärke", bekennt sie lachend. Dazu kommt der Blick fürs Wesentliche – wie die frühe Entscheidung, sich von zweitklassigen Weinbergen zu trennen und voll und ganz auf die Spitzenlagen des Gutes zu setzen. "Unser Schatz ist das einzigartige Terroir", ist von Guradze überzeugt, "und wir tun alles, um diesen Schatz durch die Wurzeln der Reben aus der Tiefe zu heben und über die Trauben in die Flaschen zu bringen."

Ein wichtiger Kompass für diese Schatzsuche gelangte auf einer Geschäftsreise per Zufall in ihre Hände: das Buch "Der beseelte Weinberg" von der Biodynamik-Legende Nicolas Jolie. Im Jahr 2005 stellte Dr. Bürklin-Wolf den gesamten Betrieb auf biodynamisches Wirtschaften um. "Entscheidend dabei sind für mich nicht Kuhhornpräparate und Mondphasen", beschreibt die Gutsherrin ihre Erfahrung, "sondern was sich bei uns selbst emotional bewegt hat, wie die Ehrfurcht vor der Rebe gewachsen ist." Nun ist Ehrfurcht schwer messbar, Erfolg aber schon: Vom maßgeblichen Weinführer Gault-Millau erhielt das Gut 2010 die Auszeichnung "Kollektion des Jahres".

Dr. Bürklin-Wolf macht langsame Weine. Gewächse, die sich die Zeit nehmen, die sie brauchen. Kellermeister Fritz Knorr* war bereits in vierter Generation für das Gut tätig. Es war sein Vater, der den ersten kelterte zu einer Zeit, da in der von blasser Farbe waren und selten ausreiften. "Doch das Klima hat sich gewandelt und die alten Rebstöcke schenken uns wunderbares Lesegut mit einer ausgeprägten Primärfrucht", freut sich Bürklin-von Guradze. Was den roten und den weißen "Les Cornes" darüber hinaus auszeichnet ist dieser mineralisch straffe, ungemein lebendige – oder sollten wir sagen: dynamische – Spannungsbogen, der den Gaumen ein ums andere Mal elektrisiert.

Gotthard Scholz

(WEIN NEWS Dezember 2012)

* Die Nachricht hat uns getroffen: Fritz Knorr ist unerwartet gestorben. Seinen Mut, im Weinbau neue Wege zu gehen, haben wir sehr bewundert und seine Lagenrieslinge gehörten zum Besten, was wir je trinken durften. Wir denken an ihn mit Dankbarkeit.

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