Weine aus den USA
Intensive reife Fruchtaromen, warme würzige Noten und ein ausgesprochen optimistisches Mundgefühl, das niemals aneckt – mit diesen Eigenschaften haben Weine aus den USA weltweit eine große Fangemeinde erobert. Mehr noch: dieser vor allem in Kalifornien entwickelte und gepflegte Stil hat den Weingeschmack wie kein anderer international geprägt.
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Inhaltsverzeichnis
- USA: Die viertgrößte Weinbaunation
- Die erste Generation: Goldrausch und Zinfandel
- Die wichtigsten US-Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz, Pinot Noir, Chardonnay
- Ritterschlag für US-Weine: The Paris Wine Tasting
- Der amerikanische Geschmack: Satte Frucht und wohlige Röstnoten
- Modell-Alternativen: Robert Mondavi und E&J Gallo
- Der Durchbruch des Hot-Climate-Wines aus den USA
USA: Die viertgrößte Weinbaunation
Die erste Generation: Goldrausch und Zinfandel
Ein aus Ungarn stammender Sherif brachte die Zinfandel ins Sonoma Valley, später gelangte sie in das Napa Valley oder nach Lodi, der Region der Goldgräber und Outlaws wie dem Three Finger Jack. Bald galt Zinfandel als kalifornisches Eigengewächs. Dass er mit der Tribidag und dem italienischen Primitivo identisch ist, wurde erst 1999 wissenschaftlich wiederentdeckt.
Bis zur Jahrtausendwende war Zinfandel die meistangebaute Rebsorte der USA. Mittlerweile wurde sie vom Cabernet Sauvignon überholt.
Die wichtigsten US-Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz, Pinot Noir, Chardonnay
Bei den Weißweinen hatte Chardonnay lange Zeit nahezu ein Alleinstellungsmerkmal: er galt in den USA als Synonym für Weißwein. Erst in den letzten Jahren gewinnt der Riesling eine eigene Fangemeinde.
Die Weine der Vereinigten Staaten sind in aller Regel Varietals, also aus einer einzigen Rebsorte. Cuvées aus mehreren Traubensorten sind eher unüblich und genießen unter Konsumenten fälschlicherweise keinen guten Ruf.
Ritterschlag für US-Weine: The Paris Wine Tasting
Kalifornische Winemaker begriffen weitaus früher als ihre Kolleginnen und Kollegen z.B. in Italien oder Deutschland, dass der geschmackliche Vorsprung großer französischer Weine nicht so sehr im Terroir, sondern in der Technik lag. Dabei spielte vor allem das Barrique eine bedeutende Rolle. Das Neuholz der Fässer gibt u.a. Röst-, Vanille- und Schokoladenoten an den Wein ab und verleiht ihm dadurch Fülle, Ausdruck und Komplexität.
Der amerikanische Geschmack: Satte Frucht und wohlige Röstnoten
Die reifen, fruchtbetonten Weine erhalten dank der Röstaromen des Holzes einen zusätzlichen Wohlfühlfaktor. In den USA wird dabei oft die amerikanische Eiche verwendet, die noch markanter in ihrer Geschmacksgebung ist als die europäischen Eichenarten.
Eine Erfindung von US-Winemakern ist auch die Entkoppelung der Holz- und Röstaromatik von den kostspieligen Barriques. Durch den Einsatz z.B. von gerösteten Eichenholzchips bei der Weinbereitung lassen sich die geschmacklichen Effekte auch bei günstigeren Weinen erzielen. Der edle Geschmack wurde so demokratisiert. Diese Technik ist mittlerweile auch in Europa sehr verbreitet. Dass ein Wein „oaked“ – also „geeicht“ – ist, gilt in den USA mittlerweile als normal. Daher wird heute nur noch das Gegenteil auf dem Etikett vermerkt: „unoaked“.
Modell-Alternativen: Robert Mondavi und E&J Gallo
Robert Mondavi steht für den Qualitätsweinbau in den USA. Der Barrique-Pionier schuf mit dem „Fumé-Blanc“ einen Weißweintypus, der bis heute weltweit kopiert wird. Mit Phillipe de Rothschild aus Bordeaux startete Mondavi das Joint Venture „Opus One“. Diese Cabernet-Cuvée aus dem Napa-Valley gilt als das Aushängeschild des US-amerikanischen Weinbaus.
Die Gallo Brüder hingegen stehen für den industriellen Ansatz der Weinerzeugung. Ihr Unternehmen produzierte zeitweilig ein Viertel des US-amerikanischen Weins. Mechanisierung der Weinberg- und Kellerarbeit, der Einsatz der erwähnten Eichenchips, die Etablierung von Geschmacksbildern unter Markengesichtspunkten – dies sind Verdienste der Gallos. Sie leisteten Pionierarbeit für den Wein in der Bier- und Whiskeynation USA.
Als Verbindung der beiden Modelle gilt heute Delicato Family Wines. Auch sie zählen zu den großen Player im US-Markt, doch besitzen sie gleichzeitig Boutique-Wineries wie z.B. Francis Coppola oder Three Finger Jack Cellars, die für die individuelle Klasse kalifornischer Weine stehen.
Der Durchbruch des Hot-Climate-Wines aus den USA
Der überwältigende Erfolg, den der süditalienische Primitivo derzeit in Deutschland feiert, wäre nicht denkbar ohne die Vorarbeit, den sein US-amerikanischer Zwillingsbruder Zinfandel auf den Gaumen dieser Welt geleistet hat.