Der sanfte Charme der Donna Grazia

Sie ist eine echte sizilianische Donna und erzeugt Ladywines. Der Nero d’Avola und der Grillo von Maria Grazia di Francesco bringen italienischen Stil selbst in den ungehobelten Norden.

Maria Grazia di Francesco gehört zu diesen italienischen Frauen, neben denen man sich als Nordeuropäer immer wie ein ungehobelter Barbar vorkommt. Sie ist eine Donna durch und durch – und so ist der Name Ladywine, den sie ihren Weinen gab, ausgesprochen passend. Sich Maria Grazia im Weinberg vorzustellen, fällt schwer. Das sieht sie auch nicht als ihre Aufgabe. Ihr Metier ist zu inspirieren, zu kommunizieren und Impulse zu geben. Ihr Mann stammt aus dem sizilianischen Gela und ist Inhaber eines mittelständischen Industriebetriebs. Als er vor zwanzig Jahren begann, Weinberge aufzukaufen, geschah dies mehr aus dem tiefen Bedürfnis der Sizilianer, Grund und Boden zu besitzen. Die Trauben lieferte er ab an die örtliche Genossenschaft. Doch dann kam der Boom.

Über zwei Jahrhunderte hatte der sizilianische Weinbau nur einen Zweck – und der hieß Marsala. Als sich jedoch die Verbraucher weltweit vom berühmten Südwein abwandten, verlor der Marsala erst drastisch an Absatz, dann an Qualität. In dieser trostlosen Lage tauchten die ersten Flaschen eines bis dato unbekannten auf. Er stammte aus einer sehr dunklen Rebe, die im Süden der Insel nahe der Stadt Avola wuchs und deshalb Nero d’Avola, die Schwarze aus Avola genannt wurde. Die Rebe ergibt Weine mit samtigem Mundgefühl, feiner Kräuterwürze und einer an Maulbeeren und Pflaumen erinnernden Frucht – also Gewächse, die genau der Traumvorstellung von einem sinnlichen Roten entsprechen. Binnen der letzten 15 Jahre wurde aus einem regionalen Geheimtipp eine der bekanntesten Rebsorten .

Irgendwann in der Zwischenzeit traf Maria Grazia di Francesco den renommierten Önologen Attilio Pagli. Der besah sich ihre Weinberge und war hellauf begeistert. Dank der begünstigten Lage am Lago Biviere, einem der wenigen sizilianischen Seen, sind die klimatischen Verhältnisse optimal für hochwertigen Nero d’Avola, aber auch für trocken ausgebauten Grillo. Und so startete 2005 das Projekt Casa di Grazia, die eigene Kellerei von Maria Grazia. Was die Weine so besonders macht, ist ihre feminine Ausstrahlung. Ihnen haftet nichts Plumpes oder Schweres an. Der Grillo feiert in der Casa di Grazia ein tolles Comeback. Er ruht geradezu in sich selbst und ist mit seiner feinen Frucht und den floralen Noten außergewöhnlich mild. Der Nero d’Avola ergießt sich über den Gaumen wie rauschende Seide. Mit diesen Ladywines sollte es ein Leichtes sein, dem Alltag eines nordeuropäischen Barbaren zu entfliehen.

Gotthard Scholz

(WEIN NEWS Mai 2012)

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