Winzer Meinard Forstreiter

Das hellwache Winzerauge

Weingut Forstreiter

Zeit und Geduld braucht man gelegentlich im Weinbau. Die Belohnung: Hervorragende von Forstreiter.

Das öffentliche Bild des Winzerberufs ist eines, das mit viel Weichzeichner daherkommt. Etwa so: Am höchsten Punkt des Weinbergs haben sich Isabell und Meinhard Forstreiter zum Picknick niedergelassen. Der Blick ist traumhaft schön und reicht bis zur Wachau herüber. 150 Meter tiefer mäandert die Donau Richtung Pannonische Tiefebene. Die Eheleute genießen drei der sagenhaften 1724 Sonnenstunden, die Hollenburg zu bieten hat. Die Reben wachsen selbständig vor sich hin und bei zwei Gläschen Grünem Veltliner sowie einer leckeren Brotzeit lässt sich das Leben genießen, bis man – ein wenig schläfrig geworden – ins Dorf zurückschlendert und den Abend einläutet.

Genug geträumt. Insbesondere in Jahren, wo sich die Sonnenstunden ein wenig ungünstig verteilt haben wie 2014, braucht der Weinberg ein hellwaches Winzerauge. "2014 war kein schwieriges Jahr", sagt Meinhard Forstreiter mit einem Lächeln, "es war eine Herausforderung." Die überdurchschnittliche Regenmenge habe dazu geführt, "dass wir extrem ausgelesen haben. Wir sind durch jeden Weingarten vier Mal durchgegangen!" Durchgehen meint in diesem Fall, extrem penibel jede Traube, die auch nur Anschein erweckt, nicht vollreif zu sein oder das allerkleinste Zeichen von Fäulnis zeigt, rigoros wegzuschneiden. "Das tut manchmal in der Seele weh, muss aber sein", sagt Forstreiter. Und: "Gerade dieser Jahrgang brauchte ein wenig Reifezeit in der Flasche. Der Kogl und die Reserve haben sich toll entwickelt, zeigen jetzt eine tolle Balance von Frische und Tiefe, sind genau auf dem Punkt." So ist es. Denn im schwierigen Jahr erkennt man den guten Winzer. Verzeihung: im herausfordernden Jahr!

Wendelin Niedlich
(WEIN NEWS April 2016)

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