Von Hamburg ans andere Ende der Welt
"Diese Verbindung zu Südafrika wurde bei uns einfach von Generation zu Generation weitergegeben."
Hallo und willkommen zurück in meinem Weinregal,
diesmal geht es ausnahmsweise nicht um Jobs, Studium oder die nächste berufliche Abbiegung. Sondern um eine meiner anderen großen Leidenschaften: das Reisen.
Und nach der letzten Ausgabe können Sie sich vermutlich denken, dass die ab 2020 ziemlich zu kurz gekommen war. Meine erste richtige Fernreise nach der Pandemie führte mich im Februar 2023 deshalb an einen Ort, der sich für mich schon lange ein bisschen wie eine zweite Heimat anfühlt: Südafrika.
Und das meine ich tatsächlich ziemlich wörtlich…
Von Hamburg nach Südafrika. Und im Jeep zurück.
Die Geschichte beginnt lange vor mir, irgendwann Anfang der 60er-Jahre. Mein Großonkel und ein paar Freunde hatten damals eine Idee, die ich heute gleichermaßen großartig und leicht wahnsinnig finde: Von Hamburg nach Südafrika und mit dem Jeep zurück.
Kein Google Maps, keine Booking-App, kein „Wir teilen mal eben unseren Live-Standort“. Einfach los.
Und wollten eigentlich direkt wieder umdrehen…
…Denn meinem Großonkel gefiel es dort nämlich so gut, dass er anschließend seine Frau schnappte und auswanderte. Wobei man fairerweise sagen muss: Meine Großtante musste wohl nicht allzu lange überzeugt werden – auf den Hamburger Winter konnte sie ohnehin gut verzichten.
Mein Opa und damit mein Teil der Familie blieb allerdings in Hamburg. Aber aus einem Südafrika Abenteuer wurden zwei Familienzweige auf zwei Kontinenten. Und die blieben eng miteinander verbunden.
Diese Verbindung zu Südafrika wurde bei uns einfach von Generation zu Generation weitergegeben: erst an meine Mutter und irgendwann natürlich auch an mich. Vielleicht fühlten sich Hamburg und Südafrika deshalb trotz 10.000 Kilometern Entfernung nie wirklich weit voneinander entfernt an. Wenn wir heute zusammenkommen, ist das keine „Verwandtschaft im Ausland“, sondern einfach Familie. Und dank FaceTime ist das Ganze heute erheblich unkomplizierter als in den 60ern.
2023 wurde in Südafrika inzwischen schon in dritter Generation geheiratet. Mein Cousin feierte seine Hochzeit – und damit hatte meine erste Fernreise nach Corona auch noch den denkbar schönsten Anlass.
Endlich wieder raus
Gefeiert wurde auf dem Land, umgeben von weiten Feldern und Weinbergen am Horizont. Nach Jahren zwischen Lockdowns, Online-Uni und Agenturalltag saß ich plötzlich wieder am anderen Ende der Welt, ein Glas Wein in der Hand, meine Familie um mich herum, und dachte eigentlich nur: Ja. Genau das hat gefehlt.
Zu dieser Zeit hatte Wein beruflich keinen Platz mehr in meinem Leben. Mein duales Studium und die Arbeit bei meinem Praxispartner hielten mich ziemlich auf Trab, meinen Job im Weinladen hatte ich längst aufgegeben.
In Südafrika war das allerdings auch ziemlich egal. Denn wer einmal in Kapstadt war, weiß: Dem Wein kann man dort ohnehin nur schwer aus dem Weg gehen.
Wir besuchten die Weingüter rund um Constantia und Stellenbosch – und spätestens dort war meine alte Begeisterung sofort wieder da. Diese Kombination aus Wein, Landschaft und südafrikanischer Gastfreundschaft ist einfach schwer zu schlagen. Vor einem steht ein Glas Sauvignon Blanc, dahinter ziehen sich die Reben bis zu den Bergen und am Abend färbt sich der Himmel über Kapstadt so kitschig, dass man zu Hause vermutlich einen Filter unterstellen würde.
Mein kleiner Südafrika-Tipp
Wenn Sie Kapstadt besuchen und ein bisschen Zeit mitbringen: Mieten Sie sich ein Auto und fahren Sie nach Stellenbosch. Am besten bleiben Sie direkt über Nacht – auf einem Weingut oder in einem der vielen kleinen Bed & Breakfasts.
Und wenn die Zeit knapper ist, lässt sich das Ganze wunderbar von Kapstadt aus erleben. Der rote Hop-on-Hop-off-Bus fährt eine extra Weinroute durch Constantia und hält an verschiedenen Weingütern. Aussteigen, Wein probieren, Mittag essen, weiterfahren – ich kenne deutlich schlechtere Arten, einen Urlaubstag zu verbringen.
Und bitte bestellen Sie irgendwo Biltong dazu. Für alle, die es noch nicht kennen: Stellen Sie sich Beef Jerky vor. Nur besser. Die südafrikanische Hälfte meiner Familie möge mir diese sehr vereinfachte Erklärung verzeihen.
Der Wein dieser Station
Zurück nach Südafrika bringt mich heute der „Signature“ Sauvignon Blanc 2025 von Spier aus dem Western Cape.
Und Sauvignon Blanc passt für mich perfekt zu dieser Station. Schon im Duft kommt einiges zusammen: Zitrusfrucht, Stachelbeere, Holunderblüte und frisch gemähtes Gras. Am Gaumen trocken, klar und mit ordentlich Frucht – ein Wein, bei dem ich gedanklich ziemlich schnell wieder irgendwo zwischen Kapstadt und Stellenbosch sitze.
Spier selbst liegt in Stellenbosch und damit genau in jener Weinlandschaft, die mich damals so begeistert hat. Der „Signature“ ist dabei kein Wein, für den man erst ein Sensorikseminar besuchen muss. Gut kühlen, einschenken und im Idealfall draußen trinken. Tafelberg im Hintergrund wäre schön, ist aber optional.
Und wie ging es weiter?
Im Februar 2023 war ich jedenfalls ziemlich überzeugt davon, dass Wein von nun an genau diesen Platz in meinem Leben haben würde: eine große Leidenschaft, aber eben eine private. Tja…
Dass ich heute bei Rindchen sitze, Weine verkoste, über sie schreibe, Produkte entwickle – und Ihnen ausgerechnet in einem Wein-Newsletter davon erzähle – verrät vermutlich schon, wie gut dieser Plan funktioniert hat.
Wie der Wein sich, nicht einmal ein Jahr später wieder in meinen Berufsalltag geschlichen hat, erzähle ich Ihnen beim nächsten Griff in mein Weinregal.
Bis dahin: Falls Südafrika noch nicht auf Ihrer Reiseliste steht, hätte ich da einen Vorschlag.
Cheers
Lina