Sound of Silence und mineralische Fantasie
"Kein Humtata, kein Zuckerguss, sondern jedes Aroma klar, berührend und – Groove! – exakt auf den Offbeat gesetzt."
Liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde,
Alte Gitarristenweisheit: Die wichtigsten Noten sind die, die man weglässt. Denn in den Pausen entsteht der Groove. Übertragen auf die Weinwelt ist Jakob Schneider ein Meister dieses Sound of Silence und der Niederhäuser Steinberg Riesling für mich ein Welthit. Kein Humtata, kein Zuckerguss, sondern jedes Aroma klar, berührend und – Groove! – exakt auf den Offbeat gesetzt. In den Zwischenräumen bleibt viel Platz für mineralische Fantasie, die alles in Schwingung versetzt. Das macht den Steinberg zu dem Wein, der über die Jahre am häufigsten bei mir auf dem Tisch steht.
Ein weiteres kommt hinzu: der Wein ist einfach viel zu günstig. Das ist das allgemeine Schicksal der großartigen, arbeitsintensiven Steillagenweine. Über meine ausnahmsweise mal ernst gemeinte Bemerkung, dass sich Leistung in diesem Land wieder lohnen müsse, konnte Jakob nur müde lächeln. "Wenn es darum ginge, würde sich meine Familie abseits der Nahe mit Maschineneinsatz deutlich einfacher und besser ernähren" sagt er. "Aber das war nie eine Option. Ich bin der Typ, der immer das Beste rausholen will."
Zufrieden war ich nicht mit der Antwort. Denn für einen der besten deutschen Winzer wäre deutlich mehr drin. Machen Sie sich gern mal die Mühe, die Große-Gewächs-Lage Niederhäuser Steinberg zu googlen und vergleichen sie die Preise mit denen von Jakob Schneider, dem "Winzer des Jahres 2026 Nahe". Dazwischen liegen Welten. Aber bei seiner Preispolitik bleibt Jakob stur. Zum Glück für mich. Und für Sie!
Zum Schluss noch die Boomer-Belehrung. Einfach mal im Leben die eine oder andere überflüssige Note weglassen. Den gewonnenen Groove könnte man für Sinnstiftendes nutzen. Und für ein Glas Steinberg.
Alles Gute wünscht
Gotthard Scholz
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