Verschiedene Weinsorten in edlen Gläsern präsentiert

Sanfte Herrscherin

Domaine Bertrand Stehelin, Domaine Treloar, Bodega Acústic Celler

Die Rebsorte Grenache ist die wahre Königin des westlichen Mittelmeers.

Manchmal wünscht man sich, Dionysos' Zorn würde sich als Blitz entladen und der gesammelten Weinexperten-Gilde den Roten im Glas zu Essig werden lassen (und das ist noch ein frommer Wunsch). Seit Jahr und Tag attestieren Fachleute der Rebsorte Grenache, spanisch , dass sie wahlweise einfach, plump, alkoholisch oder rustikal wäre. Wie bitte erklären sich diese Kenner Phänomene wie den Weltklassewein Châteauneuf-du-Pape? Der ist oft reinsortig aus Grenache: Zufall? Oder die gern dreistellig gehandelten Gewächse des Priorats, meist Cuvées aus Garnacha und der ebenfalls übel beleumundeten Cariñena: Glückstreffer? Côtes du Rhône Villages, Fitou, Montsant: Lottogewinn, Aladins Wunderlampe, Jungfrauengeburt? Wenn in einem Wein auch nur 1% einer anderen Rebsorte als Grenache ist, wem wird die Qualität zugeschrieben? Genau! Da beschleicht einen der Verdacht, die gesammelte Weinaristrokratie kann die proletarische Herkunft der Grenache nicht verwinden. Dass sie aus dem Süden kommt und schwielige Hände hat. Dass sie ihre üppigen Aromen lachenden Herzens austeilt, anstatt zu geizen. Dass man sie mit Lust trinkt, anstatt nur vornehm daran zu nippen. Die Grenache ist in ihrer betörenden Sanftmut die wahre Herrscherin des westlichen Mittelmeers – das gilt es ein für alle Mal festzustellen. So, genug der Brandrede – "Butter bei die Fische": drei der Grenache wesensverwandte Winzerpersönlichkeiten im Schnelldurchlauf.

Rachel Treloar:
Die Neuseeländerin verließ nach 9/11 New York und den guten Job, um sich den wichtigen Dingen im Leben zu widmen. Kaufte mit ihrem Mann ein komplett verfallenes Gut im , zu dem ein Weinberg mit uralten Grenache-Stöcken gehörte. Daraus erzeugt sie heute auf Neue-Welt-Art ihren überbordenden One Block.

Albert Jané:
Floh vor seinem technikversessenen Bruder und dem gemeinsamen Cava-Weingut, um in der Abgeschiedenheit des katalanischen auf minimalistische Art Weine zu machen. Dass er mit seinem Acústic aus Garnacha und Cariñena einen solchen Hype auslöste, hat ihn wohl selbst am meisten überrascht.

Bertrand Stehelin:
Wunderkind von der , dem seine Winzer-Eltern mit Anfang zwanzig einen Weinberg abtraten, damit er ihnen nicht ständig hochbegabt ins geruhsame Handwerk redet. Er erzeugt – neben seinem Châteauneuf-du-Pape – einen umwerfenden Sablet Côtes du Rhône Villages, der Kontakt zur Klasse des großen Bruders hält: saftige Beerenfrucht und schwelgerisches Wesen – trotz der Beigaben von und .

Also: Keine Hemmungen. Einfach Schwelgen und alles wird gut.

Gotthard Scholz
(WEIN NEWS September 2015)