Sturzflug über den Gaumen
Die "Falco" Vinho Verdes rütteln am Image des braven Sommerweins. Mehr rasante Frucht geht nicht!
Plötzlich hält es den Mann nicht mehr am Terrassentisch. So wild gestikulierend hatte ich Dom Diogo Teixeira Coelho noch nie erlebt, der sonst bescheiden lächelnd die Konversation seiner Frau Mafalda überlässt. Doch der rüttelnde Falke über seinem Weinberg in Veade setzt ungeahnte Energien bei ihm frei. Energien, die allerdings nicht verwundern sollten bei einem, der mit zarten siebzehn Jahren das angeschlagene Weingut der Familie übernahm. In gewisser Hinsicht sind Dom Diogo und der Falke Seelenverwandte.
Als der Winzer um die Jahrtausendwende begann, galten Vinho Verdes als dünne, grünliche Tröpfchen. Dom Diogo gab den Weinen aus Portugals Norden eine schillernde Frucht, eine feste Struktur und ein aromatisches Lächeln. Grundstock waren die wertvollen Granitböden seiner besten Lagen, auf die er sich fortan konzentrierte. Dann eine Rebenerziehung, die den autochthonen Traubensorten viel Sonne gönnt und gleichzeitig die atlantischen Regenschauer schnell abtrocknen lässt. Schließlich viel blitzender Stahl im Keller und eine kühle Vergärung, die ein Maximum der Primäraromen bewahrt.
Der klassische Vinho Verde "Falco" betört mit brillantem Fruchtspiel und feinem Prickeln. Der Rosé kombiniert seine rote Beerenfrucht mit der wilden Herbheit der atlantisch geprägten Landschaft. Die Krone des Sortiments jedoch trägt der "stille" Arinto. Hier finden Frucht und Melancholie auf magische Weise zu schwebender Balance. Verde, also grün, sind die Weine nur noch im übertragenden Sinn: Am besten schmecken sie unter freien Himmeln.
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