Ein Sturkopf setzt sich durch

Georges Vigouroux – der Malbec-Magier aus dem Cahors

Wenn das Nachbarhaus große Schatten wirft, ist es schwierig im Licht zu sitzen. Das Leben kann wirklich ungerecht sein: Nur zwei einhalb Autostunden westlich vom weltbekannten, alles überstrahlenden liegt das kleine, feine Weingebiet . Aber wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein richtig hin. Niemand sieht, wie das Flüsschen Lot durch die sanften Hügel mäandert, keiner spürt die heißen Tage und die kühlen Nächte, bei denen die Weintrauben optimal reifen, beste Fruchtaromen entwickeln und ihre erfrischende Säure behalten. Natürlich ist diese Klage übertrieben, aber dass die Rebsorte , die seit Jahrhunderten im Süden zuhause ist, erst 12.000 km in südwestlicher Richtung reisen musste, um in Argentinien weltberühmt zu werden, ist doch irgendwie ein Treppenwitz der Weingeschichte.

Der Prophet gilt eben nichts im eigenen Land. Winzer Georges Vigouroux kann ein Lied davon singen: Als er 1970 einen kargen, steinigen Hang mit Dickicht, Brombeeren und Bäumen unter riesigem Aufwand als Weinberg rekultivierte, schüttelte so mancher Nachbar ratlos den Kopf: So viel Mühe in so einer schwierig zu bewirtschaftenden Lage? Aber Vigouroux ist glücklicherweise ein Sturkopf und behielt Recht: Schon im Mittelalter war dieser Weinberg einer der wertvollsten Frankreichs gewesen. Denn hier auf den lehmigen und kalkhaltigen Böden des Cahors fühlt sich die Rebsorte Malbec richtig wohl. Obwohl Madame durchaus zickig sein kann: Sie braucht lange zur Reifung, ist also tendenziell immer zu spät dran im Jahr und verlangt daher ein sehr waches Auge des Winzers.

Neben der Parade-Traube Malbec gedeihen auf den Weinbergen noch Merlot (zuständig für die weiche Frucht in der Cuvée) und der Tannat. Diese kleinbeerige Sorte steht für die schiere farbliche Intensität und hohen Gerbstoffgehalt. Und gilt ganz nebenbei wegen ihres hohen Polyphenol- Gehaltes als gesündeste Traube überhaupt. Insbesondere die Farbstärke soll in früheren Jahrhunderten den einen oder anderen Bordeaux-Winzer bewogen haben, ein paar hundert Liter Tannat-Wein aus dem Cahors kommen zu lassen. In schwierigen Jahren brauchten sie einen eben doch – die großen, berühmten Nachbarn. Aber das ist vorbei. Die Cahors-Winzer, allen voran Georges Vigouroux, machen jetzt ihr eigenes Ding!

Wendelin Niedlich

(WeinNews Dezember 2011)

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