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Wein News Rioja November 2026

Rioja

Rioja: Die Seidige vom Ebro

Balancierte Beerenfrucht, milde Säure, sanftmütige Tannine – ein Rioja lässt uns aromatisch auf Wolken schweben. Doch das i-Tüpfelchen ist die verführerische Kokosnote.

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Die Kokosnote hat die Rioja einst berühmt gemacht, wurde ihr fast zum Verhängnis und lässt sie heute heller denn je erstrahlen. Doch der Reihe nach. Die nordspanische Rioja war die erste Weinregion außerhalb von Bordeaux und Burgund, die das Barrique gezielt zum Ausbau der Weine nutzte. Die Winzer verwendeten dafür das Holz der amerikanischen Eiche. Sie ist schnellwachsend – und gibt diese berühmte, cremige Kokosnote an den Wein. Dieses Alleinstellungsmerkmal machte die Rioja weltweit zum Aushängeschild für spanischen Rotwein. Irgendwann kamen auch andere Herkunftsgebiete auf das Barrique und günstige Kokoskonkurrenz überschwemmte den Markt. Die Rioja stürzte in den Nullerjahren in eine Identitätskrise. 

María Barúa von den Bodegas Lan war klar: "Wir müssen den Wein in den Vordergrund stellen, nicht das Holz". Die Rioja ist die Heimat der Edelrebe Tempranillo, dieser eleganten Schönheit, die ganz ohne Ecken und Kanten in seidigste Tiefen vordringt. Ihren Facettenreichtum verdankt sie dem Terroir der Rioja – denn das bietet von den fruchtfördernden Schwemmlandböden am Ebro bis zum strukturgebenden Kalkstein der Sierra Cantabria einzigartige Möglichkeiten. Die hat María Barúa in ihrer "Lan Privado" Rioja Reserva auf Weltklasseniveau genutzt. 

Beim Barrique setzte in der Rioja eine starke Bewegung hin zur hochwertigeren französischen Eiche ein. Sie maskiert die Weine aromatisch weniger, lässt Mikrooxydation zu und fördert so die Finesse. "Aber die Konsumenten erkennen ihre Rioja nicht wieder", fasst es Santiago Garde von den Bodegas del Medievo zusammen. "Ohne Kokos geht es nicht!" Santiago Garde baut seine Reserva aus den Hochlagen der Rioja Oriental überwiegend in französischer, aber auch in amerikanischer Eiche aus. María Barúa nutzt für ihren "Lan Privado" sogar Fässer, in denen beide Holzarten verbaut sind. 

Top-Qualitäten aus der Rioja vereinen heute seidigen Tempranillo mit Herkunft, die edlen Röstnoten des französischen Barriques – und eine ganz zarte Kokosnote für die spanische Seele.