1977

G. Rindchen, Hamburg (DE)

Mit Traugott und Gottvertrauen

Wie alles anfing: Helmut Schmidt war Kanzler und die Frisuren wellig geföhnt. Da beschloss ein junger Mann, mehr Genuss zu wagen.

Traugott 3 ist eine Diva. Mal ist ihm zu kalt, mal ist es zu nass, mal zu heiß. Darum verlässt er die Werkstatt nur selten. Aber das nimmt ihm niemand übel – er ist nun einmal der legitime Nachfahre des Gründungsmythos. Den ersten Traugott, einen VW-Bulli T2, bestieg im Jahr 1977 ein 18-jähriger Gymnasiast und bekennender Biertrinker aus Bremerhaven namens Gerd Rindchen, um sich in der Pfalz mit Wein einzudecken. Den verkaufte er dann mit bescheidener Gewinnmarge – manche Dinge ändern sich nie – an Freunde seiner Eltern. So ging das los.

Wein für die Genussrebellen

Am Anfang von Rindchen's Weinkontor stand also eine Geschäftsidee. Das unterschied Gerd Rindchen von den vielen, die damals ihre Weinliebhaberei zum Beruf machen wollten, was selten zu Gutem führte. Versetzen wir uns in die Genusslandschaft der alten Bundesrepublik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im alltäglichen Leben der norddeutschen Standardfamilie tauchte Wein einmal im Monat auf: als liebliche Spätlese zu Schweinebraten mit Blumenkohl am Sonntag. Doch dann gab es da diese anderen, nennen wir sie die Genussrebellen, die während des Italien- oder Frankreichaufenthalts eine andere Lebensart kennengelernt hatten und nun von ihr träumten. Allein, der Stoff, aus dem diese Träume sind, war rar und was man auftreiben konnte entweder minderwertig oder unerschwinglich.

In diese Lücke stieß Gerd Rindchen, den mittlerweile eine Lehre als Versicherungskaufmann nach Hamburg verschlagen hatte. Wochenendtrips (welcher junge Mensch braucht schon Schlaf) führten ihn an die Loire, ins Elsaß oder ins Burgund. Die industriellen Erzeuger hatten wochenends geschlossen, Geschäfte mit den Nobelgütern ließen sein Salär nicht zu – also führte ihn sein Weg zu nur regional vermarktenden Familienbetrieben, die zu mehr als fairen Konditionen großartige Weine erzeugten: das sagenumwobene "Beste Preis-Genuss-Verhältnis" nahm Gestalt an.

Soundtrack für alle Sinne

Trüffelschwein für unbekannte Erzeuger zu sein, das war und bleibt die eine Säule von Rindchen's Weinkontor. Die andere basiert auf einer besonderen Gabe Gerd Rindchens: Der Mann hat sich einfach nach oben gequasselt. In einer Zeit, die dem Phänomen Weingenuss im wahrsten Sinne sprachlos gegenüber stand, perlte es aus ihm in ebenso begeisternden wie endlosen Sätzen nur so heraus. Endlich war es vorbei mit den gestelzten "edlen Tropfen" und ihren "Abgängen". Da sprach einer wie ihm der Schnabel gewachsen war und seine so ganz anderen Worte waren quasi der Soundtrack für die neuen sinnlichen Erfahrungen im Glas.

Im Jahr 1983 eröffnete Gerd Rindchen dann sein heute legendäres Weingeschäft in Hamburgs City Nord. Trotz erheblicher Standortnachteile – für Nicht-Ortskundige: Die City-Nord ist ein kühler Bürohochhaus-Trabant, durch den nach siebzehn Uhr einsam der Wind pfeift – wurde der Laden zur Pilgerstätte genussbedürftiger Seelen. Der Kundensatz "Ich kenne Gerd Rindchen noch aus der City-Nord", meist nostalgisch versonnen, gelegentlich mit drohendem Unterton ausgesprochen, gilt unter Rindchen-Mitarbeitern als geflügeltes Wort. Wären sie tatsächlich alle da gewesen, der kleine Laden hätte ständig überquellen müssen vor Besuchern. Aber so ist das mit echten Legenden: Am Ende will jeder dabei gewesen sein.


2016 Cheverny Blanc, Vignes des Marnières
Frankreich, Delaille

Glück oder Vorsehung? Auf seiner ersten Einkaufstour an die Loire steuerte Gerd Rindchen seinen Traugott quasi blind in den abseits des Flusses gelegenen Ort Cheverny. Die dort erstandenen Sauvignon Blancs verkauften sich quasi von selbst. Aus heutiger Sicht kein Wunder: Rund anderthalb Jahrzehnte nach diesem Besuch gründeten die dortigen Winzer die lediglich 500 Hektar umfassende Appellation Cheverny AOC, weil das Terroir des Ortes weit aus dem des umliegenden Touraine herausragt. Spitzenerzeuger wie die Brüder Delaille von der Domaine du Salvard werden in einem Atemzug mit den großen Namen von Sancerre oder Pouilly-Fumé genannt, bleiben aber preislich dankenswerter Weise auf ihrem hart zu bearbeitenden Kiesel- und Lehmboden. Wir freuen uns riesig, mit dem Sauvignon Blanc von Emmanuel und Thierry Delaille nach einigen Jahren wieder einen absolut brillanten Cheverny AOC im Sortiment zu haben!


2014 Langhe Nebbiolo DOC
Italien, Virna

Als Virna Borgogno das Familienweingut in Barolo übernahm, erbte sie den Geschäftspartner Rindchen gleich mit. Während Vater Ludovico mehr den bäuerlich-saftigen Weintyp im Piemont repräsentierte, zeigte sich Virna von Beginn an äußerst ambitioniert. Als erste Frau Italiens machte sie in Turin ihr Önologie- Diplom. Nun ist alles, was mit dem Monument Barolo zu tun hat, extrem traditionalistisch, um nicht zu sagen borniert. Nach dem Motto einmal Bauer, immer Bauer, wurde Virna über Jahre schlichtweg nicht beachtet. Schließlich platzte vor drei Jahren endlich der Knoten: Einer von Virnas Lagen-Weine wurde zum besten Barolo des Jahrgangs 2009 gekürt, ihr "einfacher" 2013er erhielt 95 Punkte. Bereits der Langhe Nebbiolo von Virna – gleiche Traube, kürzere Fassreife – stellt diverse Barolo schlicht in den Schatten. Der Nebbiolo entführt mit seinem Duft nach Kirsche, Kaffee, Muskat und Unterholz ins herbstliche Piemont. Der Geschmack ist enorm dicht, würzig und mit präsenten, wundervoll süßen Tanninen.

Alle Weine zu dieser Geschichte

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2018 Cheverny Blanc "Vignes des Marnières", Delaille
weiß, trocken, Loire, Frankreich

Es gibt Momente im Leben - da fühlt man sich beschenkt. Selten erlebt man beim Weinschnuppern so einen Reichtum: Cassis, Gras, Steine, Tropenfrucht. Und das Spektakel setzt sich am Gaumen fort. Vibrierende Lebendigkeit, tiefe Substanz, Länge ohne Ende. Ein kleines Mirakel.
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ArtNr. 209600118

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