Grauburgunder

Grauburgunder: Die graurötliche Traube mit dem Schmelz

Fragt man Winzer, Gastronomen und Fachhändler, ist die Antwort eindeutig: Der Grauburgunder ist die zurzeit wohl beliebteste weiße Rebsorte Deutschlands. Ihr Aufstieg in der Publikumsgunst ist ebenso rasant wie das Anwachsen der Rebfläche. Grauburgunder zählt zu den sechs deutschen Edelreben und ist vom VDP, dem maßgeblichen Verband der Spitzenweingüter, für die Erzeugung von Großen Gewächsen zugelassen. All dies ist umso erstaunlicher, als der Graue Burgunder erst vor gut zwanzig Jahren seinen heutigen Namen erhielt.

Die Entdeckung des Herrn Rulands

Im Jahre 1711 entdeckte der Kaufmann Johann Ruland in einem Garten in Speyer eine bis dato unbekannte Rebsorte mit wohlschmeckenden Trauben von grau-rötlicher Farbe. Er witterte die Chance seines Lebens und begann als Züchter die Reben zu vermarkten. Ganz uneitel gab er ihr den Namen Ruländer. Unter diesem Namen ist der Grauburgunder bis heute im deutschen Sortenregister eingetragen. Ruland war historisch gesehen der erste, der den Grauburgunder zu einer urkundlichen Erwähnung brachte und damit kann Deutschland ein gewisses Entdeckerrecht für sich reklamieren.

Der Ursprung des Grauburgunders als Pinot im Burgund

Heute ist eindeutig erwiesen: Der Ursprung der Traube liegt als Pinot Gris im Burgund. Dort wurde allerdings schon zu Ruländers Zeiten fast ausschließlich  die rote Spielart Pinot Noir – Spätburgunder – kultiviert. Tatsächlich sind alle Pinots,  also Grau-, Weiß- und Spätburgunder genetisch identisch. Es ist nichts Ungewöhnliches, das Burgunder-Rebstöcke spontan ihre Farbe wechseln. Grauburgunder ist also keine eigenständige Rebsorte, sondern das grau-rötliche Farbspektrum der Burgunderrebe mit bestimmten geschmacklichen Ausprägungen.

Identisch: Grauer Burgunder, Pinot Gris, Pinot Grigio

An den helleren Spielarten des Pinot hatte man im Burgund selbst kein Interesse, denn für Weißwein gab es dort ja die Halbschwester Chardonnay. Also erhob man dort auf Pinot Gris lange kein Copyright – auch nicht als der Grauburgunder im Elsass unter dem Namen "Tokai" als vorgeblich uralte ungarische Rebsorte Erfolge feierte. In Italien hingegen sah man Vorteile in der edlen französischen Herkunft. Hier heißt der Grauburgunder seit langer Zeit Pinot Grigio.  

Die Geburt des trockenen Grauburgunder am Kaiserstuhl

Fast dreihundert Jahre hieß die Rebsorte in Deutschland Ruländer und wurde lieblich ausgebaut. Dann schwappte Mitte der 90er-Jahren die Erfolgswelle des trockenen Pinot Grigios über die Alpen. Dies brachte die Winzer am Kaiserstuhl in Baden auf die Idee, mit einem ebenfalls trockenen deutschen Weißwein zu kontern. Um ihm von dem etwas altbackenen Image der lieblichen Ruländer abzugrenzen, erfand man für die trockene Variante den Namen Grauer Burgunder, oder kurz: Grauburgunder. Eine Legende war geboren.

Baden, Pfalz, Rheinhessen – die wichtigen Anbaugebiete

Als Erfinder des Grauen Burgunders und damit des trockenen Geschmacksbildes genießen die Weine vom Kaiserstuhl bis heute eine Ausnahmestellung. Doch schnell verbreiteten sich das Erfolgsmodell des trockenen Grauburgunders und damit die Rebfläche erst in ganz Baden, dann weiter nördlich. Heute ist Grauburgunder nach Angaben des Deutschen Weininstituts auf über 7.000 Hektar in nahezu allen deutschen Anbaugebieten vertreten. Das sind 7% der Rebfläche. Tendenz stark steigernd. Eine herausragende Bedeutung hat Grauburgunder in Baden (2200 Hektar), der Pfalz (1800 Hektar) und Rheinhessen (2000 Hektar).

Der Geschmack des Grauburgunders: Melone, Nuss und Schmelz

Anders als beispielweise der wandlungsfähige Riesling oder der Weißburgunder zeichnet den Grauen Burgunder seine aromatische Konstanz aus. Nimmt man den badischen Typ als Vorbild, dann stehen  bei der Frucht Aromen von Honigmelone im Mittelpunkt, ergänzt von reifer Birne bzw. Quitte und Ananas. Sortentypisch sind dazu die Haselnussaromen und auch zarte Noten von Waldboden. Am Gaumen zeigt er sich gern von ausladendem Körperbau und mit einer cremigen Note, in der Weinsprache Schmelz genannt. Die Säurewerte hingegen sind moderat. Spitzenweine werden gern im Barrique ausgebaut, was die nussigen und cremigen Noten noch unterstreicht.

Nord-Südgefälle im Geschmack

In den warmen Gefilden Badens oder der Südpfalz und dort vor allem auf tiefgründigen Löss-Lehmböden, die auch in Rheinhessen vorherrschend sind, zeigt sich der Grauburgunder häufig von seiner opulenten Seite. Kommt man weiter nach Norden in die Nordpfalz oder an die Nahe bzw. sind die Böden kalkhaltiger, werden die Fruchtnoten etwas knackiger und können um Pfirsicharomen ergänzt werden. Eine neue Winzergeneration zeigt sich bestrebt, dem Grauburgunder die Opulenz abzutrainieren und ihm mehr Frische und Spannkraft zu verleihen. Eine Besonderheit sind Grauburgunder, die mit den Schalen vergoren werden. Sie nehmen die zart rötliche Färbung der Traubenhaut an und sind substanzreicher. Für alle aber gilt: Melone, Nuss und Schmelz bleiben.

Food Pairing: Käse, Regionalküche, Pilze, helles Fleisch

Beim Food Pairing zeigt Grauburgunder seine Stärke überall dort, wo er seine Statur und Nussigkeit ausspielen kann. Seine Zeit ist eher der Herbst und Winter. Bei Käsespätzle, Raclette oder Käsefondue kann er seinen Körperbau, die nussigen Noten und die milde Säure wunderbar ausspielen. Gleiches gilt für Pastavariationen mit hellen Saucen. Regionale, gern deftige Gerichte wie Maultaschen, Knödeln oder Sauerkraut rundet er vollendet ab. Bei allen Pilzgerichten kommen dem Grauen Burgunder seine feinen erdigen Noten zugute, gleiches gilt für Rote Beete, Blumenkohl oder Lauch. Großartig passt ein Grauburgunder auch zu hellem Fleisch, vorzugsweise Huhn oder Kalb. Bei Fisch hat er sich auf Thunfisch und Räucherfisch spezialisiert. Wer eine Alternative zu Rotwein bei kräftigen Braten sucht, kann sich vertrauensvoll an einen im Barrique ausgebauten Grauburgunder wenden.

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