Grenache und Garnacha: ein Weltreisender unter den Weinen

Der rote Grenache erfreut sich auf der ganzen Welt großer Beliebtheit. Die Wurzeln der fruchtigen Rebsorte liegen vermutlich im einstigen nordspanischen Königreich Aragon: Hier wurde der "Garnacha" bereits im Mittelalter schriftlich erwähnt. Von dort gelangte er zunächst in die Nachbarländer Frankreich und Italien, wo ihm neue Namen verliehen wurden: In der Toskana ist er beispielsweise als Alicante bekannt und auf Sardinien als Cannonau. Mit den Händlern des spanischen Weltreichs reiste er in die Kolonien und fand eine neue Heimat unter anderem in Argentinien, Chile und Kalifornien. Später kamen Australien und Südafrika hinzu.

Unter der heißen Sonne Spaniens geboren, zeichnen sich die Rebstöcke des Grenache durch hohe Hitzebeständigkeit aus, die sie bei Winzern in heißen sonnenreichen Regionen zur beliebten Wahl machen. Heute ist Grenache die vierthäufigste Rebsorte der Welt, wobei spanischer Wein bei der Produktionsmenge nur noch an zweiter Stelle hinter den französischen Weinen rangiert.

Wein auf Partnersuche

Der Rotwein, in Frankreich Garnache Noir und in Spanien Garnacha Tinta genannt, ist arm an Tanninen, von bezaubernder Frucht und sehr körperreich. Wie in Frankreich und Nordspanien üblich, ist er als Rotwein nur selten sortenrein anzutreffen. Meist wird er mit tanninreichen und würzigeren Trauben zu Cuvées vermählt. In seiner spanischen Heimat Aragon und Katalonien mag die Garnacha die Rebsorte Cariñena, französisch Carignan, gerne als Partner. In Frankreich gesellt sich mit der Syrah eine dritte Rebe hinzu. Das Dreigestirn Grenache, Syrah und Carignan – gelegentlich unterstützt von Mourvèdre und Cinsault – prägt die großen Rotweine der südlichen Rhône und des Languedoc-Roussillon wie Fitou, Corbières,  den Côtes-du-Rhône und deren Crus wie Vacqueyras oder Cairanne.

Solo glänzt der rote Grenache auf der Insel Sardinien, wo er als Cannonau di Sardegna einen exzellenten Ruf genießt. Die Weißweinrebe  Garnacha Blanca bzw. Grenache Blanc hat mit der roten Rebe nur den Namen gemein und spielt auch qualitativ in einer anderen Liga.

Die unterschätzte Edelrebe

Der Grenache wird als Rebe selten die Hochachtung zuteil, die ihr zusteht. So wird als große Edelrebe des französischen Südens zumeist die Syrah gehandelt, während der Grenache eher die Rolle des fruchtigen, molligen Sidekick mit bäuerlichem Charme zugeteilt wird. Zwar bedienen viele schlichte Landweine aus Grenache dieses Klischée – am Potential der Rebsorte geht das allerding völlig vorbei. Dies mag der Blick auf zwei Weinmonumente belegen. Als Aushängeschilder und Flaggschiff-Weine des westlichen Mittelmeers gelten der Châteauneuf-du-Pape von der französischen Rhône und die vom Schiefer geprägten Rotweine des katalanischen Priorato – Weine aus diesen Appellationen erzielen nicht selten Preise im dreistelligen Bereich. In beiden Gebieten ist die Grenache absolut tonangebend. Viele Winzer wie z.B. Bertrand Stehelin oder der Celler de l'Encastell erzeugen ihre Spitzenweine häufig sogar reinsortig aus Grenache bzw. Garnacha. Gleiches gilt für einige renommierte Weingüter in der Rioja Baja. Die Grenache ist eine klassische Terroir-Rebe mit großer Substanz, die auf guten Lagen die Mineralik der Böden perfekt nachzeichnet und sich in qualitativ schwindelerregende Höhen emporschwingen kann.   

Die Rosé-Rebe

Zu ganz eigenen Ehren gelangt die Grenache seit rund zwanzig Jahren in der südfranzösischen Provence an. Von hier startete ein nie gekannter Rosé-Boom, der zunächst Frankreichs Weintrinker, später ganz Europa erfasste. In der Provence werden in den Kernzonen wie den Coteaux Varois en Provence AOP die besten Lagen ausschließlich zur Rosé-Erzeugung genutzt. Mittlerweile wird in Frankreich mehr Rosé als Weißwein getrunken – und in den allermeisten Fällen befindet sich dabei Grenache im Glas. Die explosiven Fruchtnoten und die geschmeidige Säurestruktur prädestinierten die Rebsorte, zur Königin des Rosé aufzusteigen.

Fruchtbetonter, weicher Rotwein zur mediterranen Küche

Grenache zeichnet sich durch sehr fruchtige Aromen und einen molligen Körper, eine sehr moderate Säure und eher wenig, dazu noch weiches Tannin aus. Zu den charakteristischen Aromen gehören Kirsche, Erdbeere, Granatapfel und gelegentlich auch dunkle Waldfrüchte wie Brombeere. In sehr heißen Gebieten und vor allem auf Schieferböden entwickelt sie würzige Noten von schwarzen Oliven und Lorbeer. Durch den Barriqueanbau können Noten von Kaffee und Pfeffer hinzukommen.

Die stets fruchtig-mollige, üppig-würzige, niemals gerbige Grenache eignet sich perfekt zur mediterranen und arabischen Fleisch- und Gemüseküche. Tomatensaucen, orientalische Gewürze, Knoblauch und Mittelmeerkräuter finden in ihr einen stets gutmütigen, gut gelaunten Partner. Das beginnt bei Pizza- und Pasta, geht über gefüllte Auberginen und Enten-Cassoulet und endet bei provençalischem Wildschweinbraten oder Lammkeule in Aprikosensauce.

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