Poggio Nibbiale

Wahnsinn und Weitsicht in der Maremma: Weingut Poggio Nibbiale

Was brauchte es, damit der Zahnarzt Nikolas W. Buchheim zum Gründer eines Weinguts wurde, das heute zu den heiß gehandelten Geheimtipps der Toskana zählt?

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Poggio Nibbiale
"Capriolo" Morellino di Scansano Riserva, DOCG
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Poggio Nibbiale setzt auf traditionsbewusste Sangiovese statt Supertoskaner

 „Schon ein wenig wahnsinnig“, beschreibt er im Rückblick seinen damaligen Gemütszustand – vor allem die Entscheidung, aus dem Stand elf Hektar unberührten Boden mit Reben zu bestocken und das Weingut Poggio Nibbiale zu gründen. Buchheim ließ sich mitreißen vom Goldrausch, der in der Maremma herrschte. Ausgelöst vom Sensationserfolg eines Sassicaia oder Ornellaia machten sich namhafte Investoren scharenweise auf in diese vergessene Region, die noch bis weit ins Zwanzigste Jahrhundert als malariageplagter Sumpf galt. Nur wenige Jahre spätere endete das Fest. Businesspläne wurden reihenweise geschreddert. „Ich würde mir da schon Weitsicht zugestehen, nicht auf modischen Cabernet und damit auf die sogenannten Supertuscans gesetzt zu haben“ sagt Nikolas W. Buchheim. „Meine Liebe gilt dem Sangiovese – und der bringt bei uns als Morellino di Scansano DOC ebenso traditionsbewusste wie elegante Weine hervor.“
Die ersten Jahrgänge von Poggio Nibbiale kauft der Bekanntenkreis – wer mag es sich mit seinem Zahnarzt schon verscherzen? Doch bald ist keine Drohkulisse mehr notwendig, die Qualität überzeugt den Weinhandel auf ganzer Linie. Verantwortlich hierfür ist der renommierte Önologe Massimo Albanese, der das Gut fast von Beginn an berät. Ökologische Bewirtschaftung gehörte zur DNA von Poggio Nibbiale, die Weine reifen in Gemäuern aus dem 13. Jahrhundert in mehrfach belegten 500 Liter Tonneaus. „Ich schätze keinen Holzgeschmack – aber sehr wohl das Eigenleben der Fässer“ so Buchheim. „Da schwingen die Vorjahrgänge immer mit, das prägt einen ganz eigenen Weinguts-Charakter.“ Aufregendster Moment ist für Buchheim alljährlich die Gärung, die spontan mit den traubeneigenen Hefen erfolgt. „Da betest Du jedes Mal zum Himmel und der Klassischen Musik, dass es anfängt zu blubbern.“ Geht man vom Geschmack aus, dürfte es Johannes Brahms sein, der die Gebete erhöhrt.